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Griechenland aktuell - abseits der Schlagzeilen

Die in deutschen Massenmedien recht spärliche Berichterstattung aus und über Griechenland konzentriert sich in der Regel auf Schlagzeilen-Ereignisse. Die kleinen Alltagsnachrichten bleiben dagegen sogar auf einschlägig orientierten Webseiten weitgehend unberücksichtigt. Das hier geführte Griechenland-Blog ist deswegen vorrangig "sekundären" Meldungen gewidmet. Zugunsten der Übersichtlichkeit werden die Beiträge jeden Monat archiviert.

Hinweis: Alle Angaben, Berichte und Informationen werden ohne Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit und ohne jegliche Gewähr publiziert und können subjektive Ansichten und Einstellungen reflektieren.

2008JanFebMärzApr
2007JanFebMärzAprMaiJuniJuliAugSepOktNovDez
2006    JuniJuliAugSepOktNovDez

Griechische Gerichte ignorieren beharrlich Verbrechen der Polizei

Verurteilende Jahresberichte der Organisation Amnesty International über misshandelnde, mordende, schießwütige und in jede Art einschlägiger Verbrechen verstrickte Polizisten prallen bei der griechischen Justiz ebenso ab wie sogar auch Urteile des Europäischen Gerichtshofes. So wurde zum Beispiel der griechische Staat erst kürzlich zur Zahlung einer Entschädigung von 120.000 Euro an ein jungen Zigeuner verurteilt, der - damals noch minderjährig - bei einem polizeilichen "Verhör" mit aufgesetzter Pistole einen Kopfschuss erlitt und seitdem gelähmt ist. Die griechische Justiz hatte den beklagten Polizisten dagegen zu einer Geldstrafe von sage und schreibe 90 Euro verurteilt und im übrigen die Darstellung akzeptiert, dass der Festgenommene sich der Dienstwaffe des Polizisten bemächtigt und einen Selbstmordversuch unternommen habe. Dies verwundert insoweit nicht weiter, da es in Griechenland zur Tagesordnung zu gehören scheint, dass man bei Kontakt mit Vertretern der Staatsgewalt von plötzlich aufwallenden masochistischen Anwandlungen übermannt wird und sich systematisch zu verprügeln, massakrieren, verstümmeln oder eben auch gar kurzerhand zu erschießen wünscht ... .

Mit der absoluten Blindheit der griechischen Justiz gegenüber Angehörigen der Polizei als gegeben fühlen sich letztere praktisch unantastbar und demonstrieren dies immer wieder aufs Neue. Am 3. Juni 2007 geriet in Thessaloniki wegen eines falsch geparkten Autos ein hoher Polizeibeamter mit einem Bürger in Streit. Da sich dieser nicht den Anweisungen des - wohlgemerkt Zivilkleidung tragenden und NICHT im Dienst stehenden - Polizeioffiziers fügen wollte, schoss der ihn kurzerhand über den Haufen. Das verletzte Opfer wurde dann prompt von der herbeigerufenen Streife festgenommen, während sich der hochrangige Täter wegen eines plötzlichen "Schwindelgefühls" in ein Militärkrankenhaus einliefern ließ und somit erst einmal dem in solchen Fällen in Griechenland üblichen Schnellverfahren entzog. Im weiteren Verlauf wurde gegen den Polizisten zwar Klage wegen schwerer vorsätzlicher Körperverletzung erhoben, jedoch konnten sich Staatsanwalt und Untersuchungsrichter nicht über die vorläufige Inhaftierung des Täters einigen. Am 28. Juni 2007 wurde dann die Inhaftierung endgültig verworfen und stattdessen eine Kaution von 10.000 Euro nebst Meldeauflagen verhängt. Ob sich wohl schließlich herausstellen wird, dass das Opfer vorsätzlich in die Kugel des völlig unschuldigen Ballermanns bzw. Möchtegern-Sheriffs gelaufen war?

(29.06.2007)

Über 200 Tonnen ungeeigneter Lebensmittel beschlagnahmt

Laut Angaben des Staatssekretärs Alexandros Kontos stellten die Veterinärdienstellen des "Ministeriums für landwirtschaftliche Entwicklung und Nahrungsmittel" im Zeitraum von Mitte Mai bis Mitte Juni mehr als 200 Tonnen ungeeigneter und die öffentliche Gesundheit gefährdender Nahrungsmittel sicher. Bei der Einfuhr aus Drittländern nach Griechenland wurden u. a. beschlagnahmt:

  • 20 Tonnen Mandelkerne aus den USA
  • 77 Tonnen Erdnüsse aus China
  • 44 Tonnen tiefgefrorene Fischfilets aus Vietnam
  • 36 Tonnen tiefgefrorene Fischfilets aus der Türkei
  • 7 Tonnen geputzter Tintenfisch (Kalamares) aus Thailand
  • 2 Tonnen Frischfisch aus der Türkei

Angesichts der Zusammensetzung des vorstehenden "Sortiments" liegt die Vermutung nahe, dass die beschlagnahmten Lebensmittel nicht zuletzt auch in einschlägigen Bewirtungsbetrieben gelandet wären ... .

(23.06.2007)

Erste Hitzewelle gefährdet Stromversorgung in Griechenland

Angesichts der ersten Hitzewelle des Jahres 2007 mit Temperaturen von bis zu über 40 Grad zeichnet sich die konkrete Gefahr eines Blackouts der Stromversorgung in Griechenland ab. Nicht zuletzt aufgrund der inzwischen in zahllosen Haushalten betriebenen elektrischen Klimaanlagen werden Verbrauchsspitzen von weit über 10.000 MW erwartet. Die Kapazität des griechischen Verbundnetz liegt bei 11.000 MW, allerdings unter Einbezug sämtlicher E-Werke - also auch der Wasserkraftwerke. Da jedoch nach dem extrem niederschlagsarmen Winter 2006 / 2007 die für die Stromerzeugung relevanten Wasservorräte im Vergleich zum Vorjahr um rund 60 % niedriger liegen, wird die Kapazität der griechischen E-Werke auf keinen Fall den gesamten Bedarf decken können.

Die Versorgungskrise ist allerdings zu einem Teil auch auf das Missmanagement der Ressourcen durch die vormals staatliche griechische Elektrizitätsgesellschaft DEI zurückzuführen. Anstatt nämlich - wie bisher üblich - die Wasserreserven für die heiße Sommerphase zurückzuhalten, fuhr die DEI im vergangenen Winter aus Kostengründen erstmalig in großem Stil mit der Nutzung der Wasservorräte fort, sodass nun zur Deckung des alljährlichen sommerlichen Mehrbedarfs an elektrischer Energie kaum noch Reserven zur Verfügung stehen.

(17.06.2007)

Lagocephalus Sceleratus - Giftiger Fisch breitet sich in der Ägäis aus

Der mit den Kugelfischen verwandte, in Griechenland "Hasenfisch" oder "Hasenkopf" genannte Lagocephalus Sceleratus ist im Roten Meer beheimatet und erreicht bei einem Gewicht von bis zu gut drei Pfund eine Länge von rund einem halben Meter. Dieser zur Familie der Tetraodontidae ("Vierzähner") gehörende Fisch gelangte durch den Suez-Kanal in das Mittelmeer und wurde in griechischen Gewässern erstmalig im Jahr 2003 bei  Rhodos (südliche Dodekanes-Inseln) ausgemacht, ist jedoch aufgrund seiner starken Vermehrung inzwischen auch in der gesamten nördlichen Ägäis anzutreffen.

Lagocephalus Sceleratus

 Wie alle rund 185 Arten der Familie der Tetraodontidae enthält auch der Lagocephalus Sceleratus für Menschen sehr gefährliche Toxine, die im Fall des Verzehrs schwere Vergiftungserscheinungen (Muskel- / Atemlähmung, Kreislaufversagen) bewirken und sogar zum Tod führen können. Wer einen Vertreter dieser Art ausmacht bzw. fängt, soll unverzüglich die zuständigen Behörden (Veterinäramt, Griechisches Zentrum für Meeresforschung, Amt für Fischerei usw.) informieren.

(07.06.2007)

Raucherpolizei soll Griechen das Rauchen vermiesen

Anlässlich des internationalen Tages gegen das Rauchen kündigte der griechische Gesundheitsminister D. Awramopoulos einen speziellen Gesetzesentwurf zur Unterstützung der Anti-Raucher-Politik in Griechenland an, der in wenigen Tagen dem Parlament vorgelegt werden soll. Einerseits ist vorgesehen, die bereits bestehenden Rauchverbote in Griechenland auszuweiten, wobei auch das Verbot des Rauchens auf Straßen, an Stränden oder ganz allgemein in der Öffentlichkeit zur Rede steht. Andererseits enthält der Gesetzesentwurf jedoch auch typisch griechische Innovationen, die nicht nur den Rauchern das Qualmen vermiesen, sondern wohl vorrangig Geld in die chronisch defizitäre Staatskasse spülen sollen. Der Katalog der Maßnahmen sieht unter anderem vor:

Neue Sonderabgabe auf Lizenzen für den Verkauf von Zigaretten

Verbot aller - in Griechenland allerdings so wie so weitgehend unbekannten - Zigarettenautomaten

Bekämpfung von Zigarettenschmuggel und Handel mit illegalen (sprich unversteuerten) Zigaretten und Tabakprodukten

Verbot des Verkaufs von Zigarettenpackungen mit weniger als 20 Zigaretten sowie auch einzelner (!) Zigaretten

Gründung einer speziellen Einsatztruppe zur Kontrolle der Einhaltung aller einschlägigen Vorschriften und Verbote ( "Tabak-Rambos")

Was den letzten Punkt betrifft, soll gemäß der offiziellen Lesart ein Corps allgegenwärtiger "Gesundheits-Inspektoren" die Einhaltung insbesondere der Rauchverbote überwachen und im Rahmen alltäglicher überraschender Kontrollen "abschreckende Strafen" verhängen. Ob die "Tabak-Rambos" wie bereits diverse andere im Stil paramilitärischer Knarrenträger auftretende und eher berüchtigte als berühmte staatliche Spezialeinheiten auch Waffen tragen werden, ist bisher unbekannt ... .

(01.06.2007)

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